Eine Perspektive in Mainz

Junge Geflüchtete absolvieren seit Sommer 2016 am Erbacher Hof, einem Tagungszentrum des Bistums Mainz, eine Ausbildung – mit großem Erfolg.

„Die Geflüchteten sind keine Zahlen, sie sind Personen: Sie sind Gesichter, Namen, Geschichten – und als solche müssen sie behandelt werden.“ Dem dringlichen Appell von Papst Franziskus sind die Mitarbeitenden des Erbacher Hofs gerne gefolgt. „Für uns als christliches Haus war es ganz natürlich, dass wir einen Beitrag leisten wollen“, sagt Prof. Dr. Ralf Rothenbusch, stellvertretender Direktor des Erbacher Hofs. So entstand das Projekt „Neue Brücken Bauen“. Die Abteilung Migration/Integration unterstützt es mit dem Förderprogramm „Integration durch Ausbildung“.

Eingewöhnen und einspielen

Zwei junge Männer und eine junge Frau nahmen an dem Projekt teil. Los ging es für sie mit einem Praktikum. Anschließend wurden sie als Auszubildende eingestellt oder als Aushilfen, um die Finanzierung des Studiums sicherzustellen. „Anfänglich mussten wir uns aufeinander einstellen“, berichtet Frau Zimmermann, Mitarbeiterin am Erbacher Hof. "Das fing mit der Kommunikation an. Wir wollten aber auch ein Gefühl dafür entwickeln, ob die jungen Menschen überfordert waren und in Stress gerieten, weil sie so viel Neues lernen mussten. Es funktioniert aber, durch viele Gespräche und den Willen, das Projekt zu einem Erfolg zu machen.“

Mittlerweile sind alle gut eingespielt – und noch mehr: Die neue Kollegin und die neuen Kollegen sind entspannt, lachen viel und fragen nach, wenn etwas unklar ist. Sie haben Vertrauen gefasst. Auch für die „alten“ Mitarbeitenden ist die Zusammenarbeit eine Bereicherung. „Die Rückmeldungen sind ausschließlich positiv“, berichtet Frau Zimmermann. Sie schließt nicht aus, dass es vorher unausgesprochene Vorbehalte gegeben haben mag. „Heute sind alle sehr froh und dankbar, solche Menschen bei uns zu haben. Sie bereichern uns, wir achten mehr aufeinander, hören genauer zu und sind geduldiger."

Blick in die Zukunft

Für die Zukunft hofft sie, dass der Erbacher Hof noch mehr jungen Geflüchteten helfen kann, sich hier ein Leben aufzubauen. „Natürlich möchten wir erreichen, dass die Ausbildung nachhaltig ist und wir unsere Lehrlinge an andere Häuser des Bistums vermitteln können.“ Mit der Beschäftigung von Geflüchteten will der Erbacher Hof Vorbild sein, Mut machen und Ängste nehmen.

Gerade die Ängste seien es, findet Prof. Rothenbusch, die der Gesellschaft schaden. Er wünscht sich in Deutschland für die Zukunft mehr Gelassenheit und mehr Großzügigkeit, statt nur Almosen zu geben. „Es geht ja auch um die Werte, die unsere Gesellschaft prägen sollen. Das hat auch mit unserem Leben zu tun, nicht nur mit der Hilfe für andere,“ gibt er zu bedenken. Und wie blickt seine Kollegin in die Zukunft? „Wir schaffen das“, sagt Frau Zimmermann überzeugt. „Ich finde, das ist ein guter Satz.“