Eine neue Heimat

Nach ihrer Flucht aus Damaskus fand eine sechsköpfige Familie aus Syrien ein neues Zuhause im renovierten Pfarrhaus St. Pankratius in Offenbach.

Der Familie gelang es, aus Jaramana, einer zerstörten Vorstadt in Syrien nach Offenbach zu fliehen. Sie haben uns einen Einblick in ihre Fluchtgeschichte gegeben. Ihre Namen nennen wir aus Sicherheitsgründen nicht.

Alleine nach Deutschland

Der Vater der Familie kam zunächst alleine nach Deutschland. Als Zollbeamter am Flughafen von Damaskus verdiente er gut, seine Familie lebte in Wohlstand. Nachdem der Flugverkehr 2011 durch das internationale Embargo jedoch eingestellt und die Grenzen zu den Nachbarländern geschlossen wurden, verlor er sein Einkommen. Hinzu kam, dass der Bevölkerung der Stadt infolge des Krieges das Lebensnotwendigste ausging: Nahrungsmittel und Medikamente. Schließlich beschloss der Familienvater, zunächst alleine das Land zu verlassen.

Mit einem italienischen Visum gelang ihm die Ausreise von Beirut nach Mailand. Von dort gelangte er mit dem Zug über München nach Frankfurt ins Auffanglager Gießen. Die Familie hatte geplant, dem Vater zügig nach Deutschland zu folgen. Doch seine Frau und die Kinder konnten ihr Haus in Syrien kaum noch verlassen – zu groß war die Angst vor Straßenkämpfen und Bombardements. Der einzige Weg, in Kontakt zu bleiben, war über WhatsApp.

Die Familie kommt nach

Nach neun langen Monaten in Deutschland überzeugte der Vater schließlich seinen ältesten Sohn, nachzukommen. Der 15-jährige Junge machte sich allein auf den gefährlichen Weg über das Mittelmeer – per Schlauchboot. Von dort ging es weiter über die Balkanroute nach Österreich, bis er schließlich seinen Vater in Deutschland erreichte.

Mittlerweile ist auch der Rest der Familie nachgezogen. Im August 2017 konnte die Mutter mit den kleineren Kindern nachkommen – über Beirut und die jordanische Hauptstadt mit dem Flugzeug nach Frankfurt.

Ein neuer Anfang

Nun lebt die Familie im Pfarrhaus St. Pankratius in Offenbach-Bürgel. Das Haus stand fünf Jahre lang leer und musste erst renoviert werden, bevor die Familie einziehen konnte. Die Abteilung Migration/Integration half, die Renovierung zu finanzieren.

Andreas Puckel, Dekan des Dekanats Offenbach, freut sich über die Unterstützung: „Ich bin sehr dankbar, dass die Abteilung Migration/Integration unter Leitung der Oberverwaltungsrätin Joanna Worytko die Umbaumaßnahmen des Pfarrhauses zur Hälfte gefördert hat.“ Neben der finanziellen Förderung durch das Bistum erfuhr die Familie große praktische Unterstützung aus der Pfarrei: „Das ist ganz klasse gewesen“, sagt Dekan Puckel. Nicht nur beim Umzug, sondern auch mit Behördengängen und Deutschunterricht unterstütze die Gemeinde das Ehepaar mit ihren vier Kindern intensiv.